Das Berliner Original

Archive for the ‘Texte’ Category

8. Mai 2020

In Texte on Mai 8, 2020 at 5:17 pm

Am 8. Mai können wir den 75. Jahrestag der Befreiung vom Hitler-Faschismus und das Ende des II. Weltkriegs in Europa feiern. Im pazifischen Raum kapitulierte Japan erst am 2. September. … und vom Faschismus sind wir leider auch noch nicht befreit, wenn man in die Köpfe mancher Menschen schaut.

Wie war denn die Lage in unserem Abteilungsgebiet vor 75 Jahren?

Am 21. April 45 überschritt in Berlin-Kaulsdorf die Rote Armee die Stadtgrenze von Groß-Berlin, am 25. April stellte die S-Bahn ihren Betrieb ein, … quasi als man von der Ost- zur Westfront mit der Ringbahn fahren konnte. Zur selben Zeit wurde die Strom-, Gas- und Wasserversorgung eingestellt. Die etwa zweieinhalb Millionen Zivilisten in Berlin verkrochen sich bei Kerzenschein in dunkle Keller, Kinder, Frauen und Männer, die bereits zu alt für den „Volkssturm“ waren (älter als 65). Prenzlauer Berg und das Brunnenviertel im Wedding waren bei den alliierten Bombenangriffen relativ glimpflich weggekommen. Es waren Fenster und Türen kaputt, die Dächer waren abgedeckt, aber es standen noch etwa neunzig Prozent der Häuser. Der Grund dafür war, daß es im Humboldt- und im Friedrichshain Flakbunker gab, die dieses Gebiet relativ gut schützten. Am 2. Mai 45, nur Stunden vor der Kapitulation Berlins, wurde nicht nur der Nord-Süd-S-Bahntunnel unter dem Landwehrkanal gesprengt, sondern durch die Wehrmacht auch noch ein ganzer Häuserblock Danziger / Kniprodestr. (die heutige Werneuchener Wiese), um mit der Flak auf die vorrückende Rote Armee zu schießen.

Deshalb umging diese weitgehend den Prenzlauer Berg. Etwa fünfzehn Prozent der Häuser sind in diesen letzten Kriegstagen noch zerstört worden. In der jüdischen Synagoge befanden sich Pferdeställe, in der Kulturbrauerei war ein Waffenlager der SS, in den Brauereikellern waren Funkgeräte durch Zwangsarbeiter hergestellt worden und dort lagerten, verschlossen, Lebensmittel. Die Versorgungslage der Berliner soll in den letzten Kriegswochen noch relativ gut gewesen sein, weil man noch immer auf Lebensmittel-Kriegsbeute zurück greifen konnte. Trotz der Kapitulation Berlins am 2. Mai gingen die Kämpfe noch mindens bis zum 3.Mai weiter. Am 7. Mai versuchten Einheiten französischer und rumänischer Waffen-SS durch die Keller in der Pappelallee zu fliehen, um von der Uckermark aus den Kampf weiter zu führen. Wie weit diese Einheiten kamen, ist nicht bekannt.

Die Städtische Gasanstalt, die sich dort befand, wo heute der Thälmannpark ist, war trotz des sogenannten „Nero-Befehls“ durch die Wehrmacht bei ihrem Rückzug nicht gesprengt worden. Die Fabrik, die sich dort befand, wo heute die Goldpunktpassage ist, war zum größten Teil zerschossen. Die allermeisten Häuser, die sich zwischen Ringbahn und Ostseestraße befanden, blieben weitestgehend unversehrt. Das Gewerbegebiet an der Prenzlauer Allee zwischen Ringbahn und Erich-Weinert-Straße war weitgehend intakt. Auf dem Stück bis zur Ostseestraße gab es noch ein paar Kleingärten, aber das Gebiet war ohnehin schon für eine Wohnbebauung vorgesehen. Bis auf die Häuser auf der Nordostseite der Storkower Straße, war das der gesamte Mühlenkiez Kleingärten. Die Zwangsarbeiter im Gaswerk waren in Baracken untergebracht, die dort standen, wo heute der Trümmerberg im Anton-Saefkow-Park ist.

Die letzten Kriegsschäden an Häusern werden derzeit in der Grellstraße beseitigt.

Das einzige, was erstaunlicher Weise in dieser Zeit noch existierte, war das Telefonnetz in Berlin.

Der letzte Wehrmachtsbericht wurde vom Sender Flensburg am 9. Mai 45 ausgestrahlt. Bereits am 13. Mai 45 sendete aus aus einer Relaisstation zwischen dem Funkhaus in der Masurenallee und dem Sender Tegel mit „Radio Berlin“ (dem direkten Vorgänger des Berliner Rundfunks) der erste Nachkriegsrundfunk.

Durch Berlin irrten in jenen Tagen Ausgebombte, Flüchtlinge aus Ostpreußen und Schlesien, ehemalige Zwangsarbeiter und KZ-Insassen, einst in die Illegalität abgetauchte Personen wie z.B. der spätere Quizzmaster und RIAS-Urgestein Hans Rosenthal, in die Illegalität getriebene Sozialdemokraten und Kommunisten. Die Anlagen des ÖPNV und für den Güterverkehr, die Brücken, Fabriken, Hafenanlagen, Strom-, Wasser- und Gasleitungen waren größtenteils zerstört, Straßen wegen der Trümmer und Granattrichter kaum noch befahrbar. Auf dem ehemaligen Friedhof der Freireligiösen Gemeinde zwischen Pappelallee und Lychener Straße sind Massergräber für die in den letzten Kriegstagen Umgekommenen.

Wir wurden am 8.Mai 45 wirklich befreit!

Bücher von mir

In Lesungen, Texte on März 27, 2020 at 10:32 am

meine neuen Bücher sind ab sofort ab Verlag lieferbar

ab 3.9.2020 lieferbar: Piep-Piep-Piep – Kurztexte und Gedichte – Band 2 von 2 https://www.bod.de/buchshop/piep-piep-piep-from-the-stage-rolf-gaensrich-9783751993746

Ab 4.8.2020 lieferbar: Die weiße Hand im schwarzen Käse – Kurztexte und Gedichte – Band 1

https://www.bod.de/buchshop/die-weisse-hand-im-schwarzen-kaese-from-the-stage-rolf-gaensrich-9783750499249

ab 25.7.2020 ist nun auch der 2. Teil der Abenteuertrilogie lieferbar!

https://www.bod.de/buchshop/zwanzig-faesser-sauerkraut-teil-2-rolf-gaensrich-9783750496361 für 9,99

https://www.bod.de/buchshop/zwanzig-faesser-sauerkraut-teil-1-rolf-gaensrich-9783751921992 für 9,99 € – ein Abenteuerroman

https://www.bod.de/buchshop/kaufhallengeschichten-hundegeschichten-radiogeschichten-rolf-gaensrich-9783751901925

Kaufhallengeschichten, Hundegeschichten, Radiogeschichten

342 Seiten, 12.99 €

Bisher erschienen von mir gleichfalls bei BoD: „Sommer – zwischen Backhaus und See – Kindheitserinnerungen“, „Still gestanden, die Augen links – mein geheimes NVA-Tagebuch“ und „Wie bewerbe ich mich richtig – ein satierischer Ratgeber für den Berufsalltag.

Sommer zwischen Backhaus und See

In Lesungen, Texte on Juni 27, 2019 at 7:29 am

Mein neues Buch ist da!

in „Sommer zwischen Backhaus und See“ beschreibe ich die Sommerferien in meiner Kindheit.

Bestellbar ist es unter:

https://www.bod.de/buchshop/sommer-zwischen-backhaus-und-see-rolf-gaensrich-9783744838641

„Still gestanden! Die Augen links!“

In Texte on März 31, 2019 at 5:23 pm

„… mein geheimes NVA-Tagebuch“

so lautet der Titel meines zweiten Buches, das ab sofort, 2.April 2019 bei BoD – Books on demand – erhältlich ist.

Auf satirisch-ironische Weise beschreibe ich meinen Alltag in achtzehn Monaten Grundwehrdienst.

Link zum Buch:

https://www.bod.de/buchshop/still-gestanden-die-augen-links-rolf-gaensrich-9783749436064

Wo bleibt Paris Hilton?

In Texte on Juni 12, 2017 at 8:48 am

Lese-Überarbeitung eines Artikels für die Januarausgabe 2008 der Prenzelberger Ansichten

Rolf Gänsrich am 19.12.07

Mitte Dezember 2007. Edelhu… ähm … Edelhüpfer Paris Hilton ist in Berlin. Macht wohl Werbung für einen Prosecco in der Dose. Frage mich, für welche, und überlege, wo man sie wohl treffen kann? Klar, Kollwitzplatz! Anspruchsvolle Kultur ist da nicht mehr, Drogen gibt’s im U-Bf. Senefelder, Spielplatz ist da, einen Club gibt’s in der Königstadtbrauerei und teuer ist’s um den Kolle auch, seit Bill Clinton einst mit Gerhard Schröder …. Passt also!

Warte in der Kollwitzstraße 37. Dort ist ein „rauchfreier“, pädagogisch angeleiteter Abenteuer-Spielplatz.

Sachspenden werden gesucht.

Ich suche Paris Hilton. Studiere weiteres Plakat und stelle fest, dass auf dem Gelände dieses Spielplatzes auch noch Theater gemacht wird. Spielen sogar regelmäßig.

Bemerke, dass es im Prenzlauer Berg immer mehr kleine, aggressive, schicke Autochens gibt, aus denen ja mal Paris Hilton steigen könnte. Früher war der Kollwitzplatz einst ein Eldorado für „Schrott-Möhren“, heute stehen Mini-Cooper, Porsche, Daimler-Caprio, BMWchen herum, und wer von den letzten Eingeborenen mal selbst irgendwo sinnlos herum steht, zum Beispiel weil er auf Paris Hilton wartet, wird sofort angehupt, angerempelt, über die Füße gefahren, angebläkt: „Eh, kannste nicht woanders betteln?“

Sie kommt nicht her! Klar! Auf schöne Frauen muss man warten. Also neuer Versuch und weiter zur Königstadtbrauerei. Den Rest des Beitrags lesen »

Rede beim Black International Cinema am 12.5.2017

In Texte on Mai 16, 2017 at 1:28 pm

Text für BIC

Rolf Gänsrich 22. + 24. + 27. + 28.3.2017 *

Warum ist es oft nicht gerecht genug in unserer Gesellschaft?

Vielleicht weil sich immer weniger Menschen ehrenamtlich engagieren?

Das schöne, angenehme am Ehrenamt ist, dass man auf Gleichgesinnte trifft. Im freiwilligen Ehrenamt trifft man auf Menschen, die einen ähnlichen Draht haben, wie man selber. Somit „funkt“ man schon auf derselben Frequenz. Außerdem kann man jederzeit aussteigen.

Deshalb geht man im Ehrenamt freundlicher, leidenschaftlicher, ehrlicher, netter miteinander um, denn wie gesagt, man kann auch gehen.

 

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Wie ich zum Radio kam – Teil 5

In Texte on März 13, 2017 at 10:57 am

Musikcassetten waren in der DDR richtig teuer. Für 60 min zahlte man 20 Mark, bei einem Durchschnittsverdienst von 3,50 Mark pro Stunde.20 Mark waren damals mein Taschengeld für einen Monat. Aber die Verwandtschaft aus dem Westen brachte mir immer mal eine Leercassette mit.

Im September 78 begann ich nicht nur meine Lehrausbildung zum Facharbeiterberuf „Wirtschaftskaufmann“ sondern auch meine erste eigene regelmäßige Sendung.

Einmal pro Monat bastelte ich mit einem Handmikro und einem alten Plattenspieler eine 60-min-Sendung auf Cassette zusammen. Die ließ ich dann im Kumpelskreis rotieren und wenn ich sie nach etwa zwei Wochen wieder zurück bekam, bastelte ich erneut.

Die Sendung hieß, sinniger Weise an meinen Nachnamen angelehnt, „a Ganther-Production“.

Im März 79 kaufte ich ein gebrauchtes Mono-Tonbandgerät, ein „ZK 120 T“ aus Polen. Tonbänder waren auch viel billiger. Ein 2-Stunden-Band kostete nur etwa 14 Mark. Den Rest des Beitrags lesen »

Wie ich zum Radio kam – Teil 4

In Texte on Oktober 10, 2016 at 10:52 am

Nach unserer Jugendweihe im April 76 gründeten wir Kumpels eine eigene Schulband. Ich hatte keine Geduld darin, Griffe und Noten für die Gitarre zu lernen und spielte statt dessen ein reichlich rumpligesSchlagzeug. Drei Auftritte hatten wir in den noch verbleibenden zwei Schuljahren. Bei einem Stück durfte ich selbst die Lead-Stimme singen, „Stand by me“ in der Version von John Lennon. Den Rest des Beitrags lesen »

Wie ich zum Radio kam – Teil 3

In Texte on August 22, 2016 at 10:41 am

Ein einschneidendes Erlebnis hatte ich 1973. Das ZDF brachte den Beatles-Film „a hard day’s night“!

Wow!

So möchte ich auch mal von den Mädchen angejubelt werden, dachte ich mir. Seitdem bin ich Beatles-Fan!

Ich begann nun auch schon ein wenig zu pupertieren.

Anfang 1974 erzählte mir Carsten, dass der Typ, der beim Rias immer jeden Samstag diese Oldies- und Witze-Sendung macht, der Lord Knud, dass man den auch jeden Montag und Freitag von 20 – 21.30 beim Rias mit einer Hitparade hören könne. Die Sendung hieße „Schlager der Woche“! Den Rest des Beitrags lesen »

Wie ich zum Radio kam – Teil 2

In Texte on August 8, 2016 at 9:42 am

Ich bin ein Alt-68er! Im Juni 68 zogen wir innerhalb Hohenschönhausens aus einer Ein-Raum-Mit-Wohnküche-Altbau-Bude in eine wunderschöne, gerade erst fertig gestellte, Drei-Zimmer-Neubauwohnung mit Bad und Warmwasser, aber noch mit Ofenheizung um. Da sie es anbot, durfte ich von da an bei der alten, gehbehinderten Rentnerin aus der Wohnung im Hausflur gegenüber jeden Freitag nach dem Baden das Sandmännchen im Fernsehen sehen.

Am 1.September 1968 wurde ich eingeschult. Den Rest des Beitrags lesen »