Das Berliner Original

Wie ich zum Radio kam – Teil 3

In Texte on August 22, 2016 at 10:41 am

Ein einschneidendes Erlebnis hatte ich 1973. Das ZDF brachte den Beatles-Film „a hard day’s night“!

Wow!

So möchte ich auch mal von den Mädchen angejubelt werden, dachte ich mir. Seitdem bin ich Beatles-Fan!

Ich begann nun auch schon ein wenig zu pupertieren.

Anfang 1974 erzählte mir Carsten, dass der Typ, der beim Rias immer jeden Samstag diese Oldies- und Witze-Sendung macht, der Lord Knud, dass man den auch jeden Montag und Freitag von 20 – 21.30 beim Rias mit einer Hitparade hören könne. Die Sendung hieße „Schlager der Woche“!

Noch am gleichen Abend bekniete ich meine Eltern. „Alle anderen Kumpel dürfen doch auch“ und „den Lord Knud den kennste doch“, „wie soll ich denn in der Schule mit den Kumpels noch mitreden können, wenn ich das nicht hören darf“.

Ich bearbeitete meiner Eltern zwei Wochen lang, dann fand man eine Lösung. Erst viele Jahre später erzählten mir meine Eltern, dass sie selbst, in den fünfziger Jahren, in meinem Alter, ja auch die „Schlager der Woche“ gehört hätten, damals allerdings noch mit anderen Moderatoren.

Diese Hörerhitparade bestand aus deutschen und internationalen Titeln, die da gegeneinander antraten.

Das Lied „Kansas City“ von den „Les Humphries Singers“, die kannte ich schon aus der „Starparade“ mit Reiner Holbe vom ZDF, war mein neuer Einstieg ins Radio. Mein Bruder musste weiter um 20 Uhr ins Bett. Ich durfte mir im Schlafanzug in Vadderns Bett mit dessen kleinem Transitorradio am Ohr (das war auf Mittelwelle ein fürchterliches Gerausche und Geknarrze, weil die DDR einen Störsender in Nauen betrieb, der den Rias auf Mittelwelle halt stören sollte. … ein ziemliches Gepfeiffe war das, was da aus dem kleinen Radio kam.) die Sendung anhören und musste es dann aber noch aus eigener Kraft bis in mein Bett im Nebenzimmer schaffen. Ich schaffte es meistens. Ein halbes Jahr später durfte ich dann Donnerstags ab 21 Uhr gemeinsam mit meinen Eltern auch noch „Raumpatroulie Orion“ in der ARD sehen, die von der Krimiserie „Colombo“, lauft heute noch bei Super-RTL, abgelöst wurde.

Ende des Jahres 74 besuchte uns auch einmal ein Kollege meines Vaters mit seiner Frau, in die ich mich schnurstracks verliebte. Dieser Kollege war nun noch nicht ganz so alt, wie mein Uralter Vater. Mein Ur-Ur-alter Vater war damals gerade 33 Jahre alt, sein Kollege Anfang zwanzig. Und der schrieb mir dann an diesem Abend noch auf, wo man denn nun noch so überall Westmusik hören könne.

Jeden Samstag lief im Rias von 16 – 18 Uhr der „Treffpunkt“. Das war nun wirkliches Jugendradio! Led Zepplin, Joe Cocker, Rolling Stones, T.Rex liefen dort. Also so richtig guter Rock!

Jeden Donnerstag um 20.02 Uhr auf SFB 2 lief die „Hey Music“ mit Jürgen Jürgens. Diese Sendung lauft mit dem Moderator noch heute!

Jeden Dienstag lief dort die Schlagerparade!

Dann gab es noch „Die Schlagerkassette“ und „die Mischkothek“ beim Rias. Der Rias, mit meinem Lieblingsmoderator Lord Knud veranstaltete einmal pro Monat auch noch „Die ARD-Hitparade“, bei der sich, mit Ausnahme des SFB, alle ARD-Hörfunksender mit ihren Hitlisten beteiligten.

Nur weil ich dann mal Abends noch etwas am Radio herum gespielt hatte, entdeckte ich „die Geschichte zur guten Nacht“, die jeden Mittwoch von 23.45 – 0.00 beim SFB ausgestrahlt wurde und in denen Schauspielergrößen wie Friedrich Schönfelder oder Christian Brückner makabere Kurzgeschichten von Roald Dahl oder anderen Krimiautoren lasen.

Jeden Sonntag von morgens 6.00 – 8.00 übernahm der SFB den „Ö-3-Wecker“ vom Österreichischen Rundfunk.

Ich selbst entdeckte per Zufall zu Weihnacht 74 „Radio Luxemburg“, das man nur auf Kurzwelle im 49-Meter-Band fand. Auch da störte Nauen den Empfang, aber mit viel Rauschen, Knistern, Fiepen und Zischen konnte man dort jeden Sonntagnachmittag eine Hitparade mit Frank Elstner hören. Und „Radio Luxemburg“ als rein kommerzieller Sender war ja schon damals viel flotter als der damals äußerst miefige SFB und auch noch als der pfiffigere Rias. … DDR-Radiosender hörte ich garnicht mehr!

Überall gewannen damals in den Quizzshows im Fernsehen die Leute „Cassettenrecorder“. Anfang 75 war ich damit weichgeklopft und wünschte mir nichts sehnlicher, als einen Cassettenrecorder!

Der Kollege meines Vaters stand mir da wieder etwas bei.

Die Dinger waren damals in der DDR teuer! Etwa 550 Mark kostete einer, das war ein komplettes Monatsgehalt eines normalen Angestellten!

Wir lösten das Problem so, dass ich meinem Vater mein Sparbuch mit etwa 400 Mark gab und er mir die noch fehlenden 150 Mark vorstreckte. Weil ich in den Sommerferien 75 eine Woche lang in einem Supermarkt arbeitete, konnte ich ihm dann das Geld auch noch in diesem Jahr zurück zahlen.

Die ersten Aufnahmen, die ich damals mit dem Cassettenrecorder Namens „Sonett“ am 24.Januar 75, nur zwei Stunden nach dem Kauf des Stückes, bei den „Schlager der Woche“ machte, kamen von den Rolling Stones, Chris Roberts, Paul McCartney und Elton John.

Den „Sonett“ hab ich noch im Schrank!

Von da an ging es relativ schnell. Im April 75 machte ich als DJ meine erste Klassen-Disco.

In der 8.Klasse, das Schuljahr begann am 1.September 75, es war dies mein letzter Sommer in Krakow am See, traten wir natürlich alle in die FDJ – die „Freie Deutsche Jugend“ ein. „Die Trommel“ wurde von meiner Mutter abbestellt und wir abonierten die „Junge Welt“, die noch heute als Zeitung existiert.

Auch bei uns in der Familie änderte sich etwas. Im September wurden wir motorisiert. Schon von 1969 an hatte mein Vater ein Moped gehabt, mit dem er zur Arbeit und nach Brieselang fuhr. Ich dabei manmal als Sozius mit.

Nun aber bekamen wir unser erstes Auto, einen schneeweißen Trabant. Fortan gings per Trabbi nach Brieselang und in den Urlaub.

Im gleichen Jahr, einige Monate später, gönnte sich unsere Familie einen Hund.

Pudeldame „Bessy“ hatte ein einfach liebes Wesen an sich! Sie ließ alles mit sich machen, wurde von uns verwöhnt und hörte auf so gut wie gar kein Kommando. Ich liebte diesen Hund abgöttisch und sah in ihr manchmal so etwas, wie meine kleine Schwester. Der Familienhund war dann auch bald mehr mein Hund, da ich mich am meisten mit ihr beschäftigte.

Als ich 83 bei meinen Eltern auszog, blieb Bessy natürlich dort. Aber regelmäßig einmal pro Woche besuchte ich meine Eltern und beschäftigte mich da am liebsten mit dem Hund! Bessy starb im Februar 1990 nach einer schweren Unterleibsoperation.

In den Herbstferien 1975 schickte unser neuer Klassenlehrer mich und Kumpel Roger zu einem freiwilligen Kurs, in dem uns die Handhabung von Tonbandgeräten, Overheadprojektor, Filmvorführmaschinen usw beigebracht wurde, damit wir dann später im Unterricht die Fachlehrer beim Einsatz dieser Geräte unterstützen konnten.

Ich wurde dann auch in die FDJ-Leitung unserer Klasse gewählt. Im ersten Jahr noch zuständig für „Sport und Kultur“, in den letzten beiden Schuljahren dann für, bitte nicht lachen, „Agitation & Propaganda“!

Irgendwie landete ich dann auch so im November 75 im Team, das die regelmäßige Schuldisco veranstaltete als DJ. Wir beschallten, mit Genehmigung der Direktorin, auch immer mal den Schulhof während der großen Mittagspause.

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