Das Berliner Original

Warum Männer nicht gerne Hosen kaufen

In Texte on Mai 9, 2016 at 9:00 am

Rolf Gänsrich 27.4.2016

… aus einer Antwort bei Facebook für Diana Giannone …

Dass wir Männer eine besonders empfindliche Spezies sind, hab ich ja schon einmal in meinem Text „der kranke Mann“ erläutert.

Nichts geht dann über die im Alkohhol gelösten Vitamine eines Rumtopfs und die streichelnden Hände einer sinnlichen Frau, … bevor wir sterben.

Wir prügeln uns in Anwesenheit unserer Angebeteten mit Kerlen, die mindestens einen halben Kopf größer sind, als wir selbst, genau so lange, bis die Gute außer Sichtweite ist. Dann bieten wir dem Gegenüber ein Bier an und lästern gemeinsam über „Weiber“.

Richtige Männer, also wirklich richtige Männer, lassen die fünf Frauen mit ihren Kinderwagen auch noch bei Rot über die Fußgängerampel am Kollwitzplatz schlendern und sie gewähren dem Rentier mit dem Hut, der später den Verkehr behindern wird, auch die Vorfahrt.

Wir verschießen uns gnadenlos in die Frau des besten Kumpels, ohne es uns anmerken zu lassen, wir gehen höchstens einmal am Tag auf die Pipi-Box, falls uns das zweite Bier nicht vorher dazu zwingt und wir haben auch mit fünfzig noch einen Waschbrettbauch, wenn wir im Freibad an einer zwanzig jährigen Blondine vorbei gehen.

Ja, wir männer kaufen sogar recht gerne ein, sofern es sich beim Einkauf um die wirklich wichtigen Dinge des Lebens handelt.

Was gibt es Schöneres, als bei einer Dampflok im Maßstab 1 : 87 – Ha-Null – genauestens alle Details der Rohre auf dem Kessel und beim Triebgestänge der Räder zu bewundern.

Wer kennt es nicht, dieses unnachahmlich kräftige Gefühl, wenn man im Baumarkt den Schlagbohrer von Bosch in den Händen zucken fühlt oder wenn sich unterm eigenen Arsch das neue Rennrad mit den mindestens zweihundertsiebenundvierzig Gängen mit Sattelfederung leicht wie im Wind wiegt.

Lebensmittel sind auch notwendig und so ist deren Kauf dann schon mehr ein notwendiges Übel. Brot sollte dunkel sein und muss möglichst viele, möglichst große sichtbare Körner haben. Fleisch kommt vom Schwein, Lamm oder Rind. Geflügel ist dann, abgesehen von der Weihnachtsgans, dann doch eher was für Frauen. Schon wenn man sich so eine mickerige Hähnchenbrust ansieht, merkt man, da ist doch nichts dran … also … ähm … kein Fleisch. Gemüse ist ein notwendiges Übel, um den Magen zu beruhigen. Salat hingegen lässt man besser liegen. Ich fress doch nicht meiner Hauptnahrung das Futter weg.

Ganz klein wird der Mann hingegen, wenn es um den Kauf von Klamotten geht.

Grundsätzlich bei allem, was man sich so an Anziehsachen kauft gilt, je schneller man aus dem Laden wieder heraus ist, um so besser.

Den Größenbezeichnungen im Internet hingegen indes traue ich so lange nicht, wie sie nicht in der simplen Männersprache abgefasst sind. XXL passt schließlich immer!

Darum sind Kik, Takko und Primarkt oder die Grabbelecken bei MacGeiz bei uns so beliebt, da kann man sehen und ganz, ganz kurz anfassen, was man da kauft.

Beliebt bei uns Männern ist der Kauf von Hand- oder Geschirrtüchern. Da kann man schon mal nichts falsch machen.

Schals passen auch … komischer Weise … irgendwie immer.

Schuhe da geht’s bei mir geht auch nicht nach Aussehen, sondern bei Größe 47 nur noch nach „Preis passt“ oder „Preis passt nicht“. Bei Socken orientiert man sich vorzugweise mit an der Schuhgröße.

Auch den Kauf von Basecaps, Bademänteln, Jogging- oder sogenannten Freizeithosen, Unterhemden, T-Shirts und Holzfällerhemden bekommen wir Männer noch irgendwie hin.

Bei Unterhosen hat Mann für den Alltag die komfortablen, übergroßen Feinripp, für den Winter die Langen und für den heimlichen Damenbesuch die ganz, ganz enge.

All das kauft Mann ruhig, wohlgemerkt bei simpler Größenangabe, auch mal im Internet.

Der Kauf einer Hose ist für alle Männer indes Stress pur, denn Hosen sollte man möglichst anprobieren.

Außerdem weiß kein, von einer Frau nicht ausdrücklich gebriefter, Mann wirklich seine Hosengröße. Bei Jeans gibt’s nur englische Maßangaben, sofern die Jeans nicht aus Kanada kommen, denn da sind es französische, bei Stoffhosen hat man deutsche Angaben, sofern die Hosen nicht aus Osteuropa importiert wurden, und so weiter.

Das heißt, Mann muss persönlich in einen Laden gehen, Mann muss sich beraten lassen und dabei das direkte Gespräch mit einer Fachverkäuferin suchen.

„Ja, ick suche so ’ne Hose, so für mich so.“

Nun bekommt man von der schnuckeligen Verkäuferin, die man in diesem Moment kaum noch als Frau, sondern eher als neunarmigen Drachen wahr nimmt, mehrere Hosen gezeigt und sollte sich jetzt für zwei Hosen, zwei reichen, entscheiden, die man nun obendrein noch anprobieren muss.

Mann geht also in eine Umkleidekabine, in der einem erstmal aus der Hose, die man jetzt auszieht, Schlüssel, das Kleingeld, die Brieftasche, die Kastanie, die Taschentücher, die Krähenfeder, der USB-Stick, der Einkaufschip und die Hustenbonbons aus den Hosentaschen fallen, wenn nicht gar noch Kondome mit Himbeergeschmack oder die Autoschlüssel.

Nun stellt man fest, dass die Löcher in den Strümpfen, also diese Löcher waren doch heute morgen, die waren doch vorhin noch nicht da!

Als nächstes muss man sich in diese neue Hose hinein zwängen. Dabei verheddert man sich natürlich noch mit dem alles schützenden Umkleidekabinenvorhang und mit den Hosenträgern der abgelegten Hose.

Bei der ersten Kniebeuge knackt die neue Hose nun verdächtig und das obwohl die blonde Verkäuferin sagt: „Sie sehen aber gut aus, darin.“

Beim ausziehen der einen neuen und anziehen der anderen neuen Hose wirft man selbstverständlich den Hocker mit der alten Hose um und deren Hosentascheninhalt rollt nun durch den ganzen Laden, während dieser zarte Engel von Verkäuferin flötet: „Na mit dieser Hose werden sie aber bei ihrer Freundin einen positiven Eindruck hinterlassen.“

Jetzt geht alles sehr schnell. Man flutscht nur in die alte, schlabbernde Hose, denkt beim bezahlen etwas in der Richtung wie „gegen Piraten kann man sich wenigsten wehren“ und verlässt mit einer großen Tüte fluchtartig den Laden.

Deshalb, genau deshalb haben Männer nie mehr als drei Hosen, eine zum arbeiten und renovieren, eine für den Alltag und dann noch „die Gute“. Und genau deshalb tragen Männer ihre Hosen meist bis sie zerfallen. Und erst wenn die beste Kumpeline mit einem Augen zwinkern umschreibt: „Wir erklären deine Hose mal zur neuen Mode.“ und die neue Freundin mäkelt: „Siehst ja aus, wie John-Boy Walton!“, erst dann ist wirklich eine neue Hose fällig.

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