Das Berliner Original

versäumter Morgen

In Texte on Oktober 12, 2015 at 10:28 am
Rolf Gänsrich am 26.1.2007 im Job + 1.2.07 zu hause

Die Nebenrechnung stimmt wohl auch heute nicht,
Papiere waren liegen geblieben
Er ist nicht auf seinen Job erpicht
Lernte ihn niemals voll lieben.

Der Wecker schellt täglich viel zu früh
Noch vor dem ersten Lichte
Im Stall muhen hungrig die vielen Küh'
Es macht sich schon auf die Nichte.

Die kecke Wärme sonniger Strahlen
Berühren die schwielige Haut
Mit deren Bräune könnte er prahlen
Wenn seine Magd ihn erschaut.

Er sieht nicht die lau-lichte Dämm'rung 
Am gleißenden Horizonte 
Doch Eile ist keine Bereich'rung
So oft er auch schauen konnte. 

Bei Regen im Matsch, bei Sonn' in der Dürre, 
Da stampft er mühselig hin
Der Klepper da vorn in seinem Geschirre,
der war für ihn einst Gewinn.

Die Frau, die Alte, nie gut gelaunt,
kocht und hütet die Kinder
und manchmal hat sie ihm zu geraunt, 
sie liebte ihn nicht minder.

Der knorrige Tag, mit seiner Plag
der geht allmählich zu dahin
und wenn er das Leben hier noch so mag
ist nicht viel zum Leben hier drin.

Die Abendsonne rötet die Wiesen
Taucht ein sie in mild-rotes Licht
Die Halme werden zu Riesen
der Bauer tut nur seine Pflicht.

Die Nacht wird kurz und er schläft tief,
ums Haus tanzen Feen den Reigen
verscheuchen in seinem Schädel den Mief
in dem sie sich ihm verneigen.

Schlaf schön, du gutes Bäuerlein alt
Wir werden dein Tagwerk dir danken,
so dass wir alsdann auch hoffen sehr bald
dass Lorbeer dein Haupt wird umranken.

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