Das Berliner Original

Eifersucht

In Texte on März 24, 2014 at 12:27 pm

Rolf Gänsrich 22.3.2014

 

Es ist unerträglich warm in meiner Wohnung.

Meine Hände zittern.

Ein brennendes Gefühl wälzt sich wie glühende Kohlen vom Hals mitten hinein ins Gedärm, dreht dort Kreise, Kreise, Kreise.

Verdammt!

So war das nicht geplant.

Freunde wollten wir sein. Gute Kumpels. Ist ja nichts dabei. Darauf kann man sich doch einlassen. Alles prima!

Das Gefühl halte ICH doch garantiert vollkommen raus.

Ich lasse doch keine Frau mehr an mich heran.

Es kann nicht sein, was nicht sein darf!

Zum wiederholten male schaue ich bei Facebook nach. Ist sie denn noch nicht zu hause?

Wo ist sie?

Wo steckt sie jetzt?

Bei wem ist sie jetzt?

Die glühenden Kohlen in meinem Gedärm drehen sich weiter, drehen stärker.

Scheiß Eifersucht!

Und ich dachte, ich sei mittlerweile jenseits von gut und böse.

Ouzo, Rum und vier Flaschen Rotwein locken.

Sie strecken ihre Arme zärtlich zu mir aus.

Wenn ich da jetzt schwach werde, hab ich verloren. Alkohol verstärkt nur bestehende Gefühle. Also nur wenn es mir schon von hause aus gut geht, darf ich da ran. … Und dazu wäre jetzt der denkbar ungeeigneteste Zeitpunkt.

Die Uhr scheint stehen geblieben zu sein.

Die glühenden Kohlen kreisen weiter.

Bei Facebook ist sie noch nicht.

Mir einzureden, dass sie wohl schon schläft, bringt mich nicht weiter, weil unweigerlich als nächstes die Frage kommt: mit wem?

Sie hatte da doch was von diesem Italiener erzählt, den sie so süß fand. Und … schitt, der ist wohl heute aus dem Urlaub zurück. Ist sie jetzt bei ihm?

Ruhelos wander ich durch die Wohnung. Fische füttern lenkt nur bedingt ab.

Mein Kopf wird immer leichter.

Kann keinen klaren Gedanken mehr fassen.

Wen könnte ich denn jetzt anrufen, um auf andere Gedanken zu kommen?

Mit Sabine hab ich vorhin schon zwei Stunden lang telefoniert. Anita wird wohl nicht mehr wach sein.

Ich tigere weiter durch die Wohnung, die mir viel zu klein und eng geworden ist.

Der abendliche kleine Zubett-geh-Tomatensalat will meine trockene Kehle nicht hinunter rutschen. Die glühenden Kohlen im Gedärm bleiben.

Der Fernseher lenkt genauso wenig ab, wie die DVD.

Zärtlich ruft der Ouzo nach mir, aber wenigstens da bleib ich hart.

Bei Facebook ist sie noch immer nicht.

Ich wandere weiter durch die Wohnung, mit glühenden Kohlen im Magen und trockener Kehle.

… und so vergeht die Nacht!…

 

 

 

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