Das Berliner Original

Klamottenkauf

In Texte on September 20, 2013 at 10:14 am

Rolf Gänsrich 3./4./7.12.08

Wir Männer sind, wenn es um den Einkauf von Klamotten geht, oft sehr einfach … gestrickt …. muss man in diesem Falle wohl wirklich sagen.

Ich für meinen Teil hasse es und gehe mir so ein Teil immer erst dann kaufen, wenn nichts anderes mehr geht, will sagen, wenn das, was ich da so trage, buchstäblich aus den Nähten fällt.

Ich weiß beim besten Willen nicht, wie Frauen es schaffen, stundenlang zu shoppen, ohne zu kaufen. Wenn ich in so einen ominösen Klamotten-Laden gehe, flüchte ich dort meist nach spätestens zehn Minuten … mit vollständig bezahltem Einkauf.

Dabei gehe ich gezielt vor! Alles, wo nicht XXL drauf steht, geht mich nichts an. XXL passt, das weiß ich! Aber schon bei 3-XXL beginne ich zu zweifeln! Meinen die jetzt, da sind drei Unterhemden drin? Oder sind die einfach nur dreimal so lang?

Bei reellen Zahlenangaben passe ich!

Größe achtundfümmzich …. Mh! Ist damit jetzt der Radius des Bauches, die Weite der Löcher, aus denen der Körper hinaus lukt, Rauminhalt, Volumen, die Distanz bis zur nächsten Kneipe oder die Linksdrehung des EmZett-Joghurts bei Kaiser’s gemeint? Mit solchen Zahlen bin ich wirklich überfordert!

Gut, also ich weiß, dass meine Kopfgröße … ganz wichtig für Stahlhelme und Armee-Mützen, bei 59 liegt … war halt schon immer ein „großer Denker“.

Ich weiß auch, dass ich bei Schuhen, ich trage die Größe 47, nicht mehr danach gehen kann, was mir, auch preislich, gefällt, ich kann bei dieser Schuhgröße einfach nur noch nach „Passt“ oder „Passt nicht“ gehen … und das eine Paar, was dann passt, das kaufe ich, aber bei richtigen Klamotten passe ich wie beim normalen Skat-Spiel, es sei denn, ich kann da ein Null oder Nullouvert spielen.

Regenschirme geht auch noch. Oder ein Schal! Ein Schal passt komischer Weise immer irgendwie, … so wie auch eine Kravatte, aber bei Unterhosen wird es dann zum Teil wortwörtlich knifflig!

Früher hat mir Muttern immer Zeugs gekauft oder meine Geliebte. Muttern ist nun tot, so brauche ich mich also nicht in Größe L zu zwängen und dann japsen: „Pff … Passt!

Meine gut Tina hingegen konnte sich immer ausschütten vor lachen, wenn sie meine Hosenzelte von der Wäscheleine nahm. Seitdem kaufte ich auch Hosen allein.

Wenn garnichts geht, gehe ich halt auf dem Wochenmarkt seit Jahren zur immer gleichen Vietnamesin. Die kennt meinen Eisbein gestählten Körper besser, als ich! Wobei ich auch immer bei der bei der Frage: „Plobielen?“ ausweiche mit: „Ach na, wird schon so gehen!“ und dann zu hause bei der Anprobe dann vor mich hinbrubble: „Verfluchter Esel!“ und dann still für mich hoffe, dass ich in das Teil, das ich da gerade gekauft habe, vielleicht doch noch irgend wann einmal hinein wachse.

Ich habe an Umkleidekabinen beim Klamottenkauf so ganz schreckliche Erinnerungen aus meiner Kindheit. Muttern schickte einen in so einem Laden da hinein. Vorher verrieb sie, immer mit einem, mit ihrer Spucke triefend getränktem Taschentuch, den Schmutz aus meinem Gesicht und von meinen Händen. …. Bäh …. Mutter-Spucke im Gesicht … buhä! … damit ich sauber in die ungetragenen Klamotten käme.

Und dann diese Peinlichkeiten in der Kabine. Natürlich fiel das neue Teil vom Bügel, dann klemmte der Reißverschluss der alten Hose. Man selbst nur getrennt durch einen Vorhang vor dem Trubel im Laden, wobei man das Gefühl hat, dass „die da draußen“ Röntgenaugen haben und sehen, wie dämlich man sich in diese neuen Sachen hinein zwängt.

Zwischendurch dann immer wieder Mutterns Kopf, der durch einen Spalt des trennenden Vorhangs hinein lugte. War man dann endlich in dem neuen Teil drin, musste man raus aus der Kabine.

Geh mal ein Stück.“, war die unvermeidliche Aufforderung. „Und dreh dich auch mal!“ Schaulaufen vor fremden Leuten, Grausam, wenn man kein Manneqin ist. Und schon hatte Muttern mit den Worten: „Probier das mal.“ das nächste Ding in der Hand. Der ganze Stress von vorn! Raus aus dem soeben getragenen, möglichst nichts fallen lassen, selber nicht umkippen dabei, sich im Spiegel der Umkleidekabine betrachten und denken: „Was findet Muttern bloß an diesem hässlichen Teil. Das zieh ich eh nur ungern an. Das hat viel zu wenig Taschen!“

Seit dieser Zeit sind Umkleidekabinen und ich keine großen Freunde!

Trotzdem man sich den Einkauf und die Umkleidekabine dabei sparte, fand ich die von Muttern selbst gestrickten Sachen noch schlimmer. Wochen lang wurde man beim Fernsehen gestört oder musste man die große Schlacht der Plastik-Indianer oder den Häuserbau mit Lego-Steinen unterbrechen, wenn Muttern so ein Teil in der Mache hatte: „Zeig mal deinen Arm!“

Und dann die Antwort auf die Frage: „Mama, was wird das wieder?“ „Siebenundvierzig, achtundvierzig …. zeig mal nochmal deinen Arm!“

Wolle mag zwar warm halten, aber sie piekt!

Muttern glaubte mir das Jahrelang nicht. „Nun hab dich nicht so. Ist doch ganz weiche Wolle, so von einem ganz lieben Schaf. Das kann überhaupt nicht pieken!“

Erst, als ich schon relativ groß war und die für mich verbrauchte Wolle preislich fast den Neukauf eines Teils aufwog und infolgedessen auch Vatern bestrickt wurde, kam allmählich meine Erlösung, weil Wolle auch bei Vatern piekte.

Die angebotene Alternative: „Na, dann ziehste ebend noch was Langes drunter!“ nutzte ich freiwillig auch im Hochsommer.

Muttern liebte es auch, meinen gut vier Jahre jüngeren Bruder und mich in dieselben Klamotten zu zwängen. „Ach, das sieht so süß aus! Wie eine Familie!“ „Ja, Mama, aber ich bin ein eigenständiges Individuum und anders gestrickt, als meine Keule. Ich beharre auf meinem Individualismus und meine persönliche Eigenständigkeit!“, hätte ich ihr damals zurufen sollen. Ich hasste es, so auszusehen, wie mein blöder Bruder!

Aber diese Gleichmacherei kam bei uns zum Glück nur höchst selten vor, da mein Bruder aus finanziellen Gründen damals immer dazu verdammt war, meine abgelegten Klamotten aufzutragen.

Ja, ja, das Zeugs, das Muttern einem früher verpasste, war immer bunt, unpraktisch und piekte. Gleichwohl sparte man heutzutage Geld, wenn man zu Ostern, Weihnachten, zum Geburtstag und als Nikolausüberraschung regelmäßig Socken bekäme.

Klamotten müssen bei mir eher praktisch sein und müssen nicht aussehen. Je mehr Taschen eine Hose hat, um so besser. Hemden trage ich, weil Pullover meist keine Brusttasche für Stifte haben. Eine Jacke für draußen muss viele Taschen, für Stifte, Handy, Schlüssel, haben, mich im Winter warm und im Sommerregen trocken halten und seit meiner Armee-Zeit weiß ich, dass lange Unterhosen zwar ein Lacher für die Freundin, die schon im Bett liegt, sind, sie aber wunderbar warm halten.

Neulich entdeckte ich Stiefel im Sonderangebot, mit einer Größenangabe, die mir überhaupt nichts sagte. Sie waren mit irgendwelchen, Zähne schädigenden Utensilien gefüllt: „Zum 6.12. – Nikolaustag!“

Also, ob mir diese Stiefel gepasst hätten?

 

 

 

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