Das Berliner Original

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Langeweile … ?

In Texte on September 30, 2013 at 8:31 am

Langeweile
Rolf Gänsrich am 18.11.06

Wie immer, wie schon seit Jahren, klingelt der Wecker morgens um sieben und wie immer stehe ich darum halb auf, gebe ihm eine Klatsche auf’s Dach und kuschel mich nochmals in die warmen Federn. Der Traum eben von Tina, Sabine und Katchen war so süß … …. … Ich versuchen einen Anschluss zu finden, gleite aber nur weg in die Dunkelheit.
Um kurz vor acht weckt mich der Lärm der Bauarbeiter im Haus. Mühsam und schlaftrunken reibe ich mir die Augen, quäle mich aus dem Bett und schlurfe zum Aquarium. Als ich dessen Licht anmache, blendet es mich und ich flüchte erneut in mein Bett. Mit offenen Augen liege ich im Halbdunkel, lausche und sinne. Die Belüftung des Aquariums flattert regelmäßig. Vor dem Haus hört man einen Bauarbeiter fluchen. Spatzen balgen sich auf meinem Fenstersims lautstark um ein paar Krumen Vollkornbrot, die ich gestern dort gestreut habe.
Was wollte ich heute eigentlich so machen? Vormittags? Ach, war wohl nicht weiter wichtig. Und nachmittags? Was kommt heute überhaupt im Fernsehen? Um in die Programmzeitschrift zu sehen, müsste ich aufstehen …
So gebe ich mir einen Ruck, wälze mich aus den Kissen und habe bereits mit einem Blick in diese Zeitschrift erhascht, dass sich das Fernsehen auch heute nicht wirklich lohnt. Immer das gleiche: doofe Casting-Shows, uralter Tatort und das ZDF bringt heute zur Abwechslung auch nur mal wieder “Volksmusik”.
Ich schlüpfe in das T-Shirt von gestern, entsorge auf dem Weg zum Bad Unterhemd, Schlüpfer und Socken in der Waschmaschine, gehe erst aufs Klo, mache mir dann in der Küche warmes Wasser für die Rasur, putze Zähne, reibe meinen Oberkörper mit Lappen und lauwarmem Seifenwasser ab und betrachte schließlich mein Gesicht ausgiebig im Spiegel. Also dieses eine Nasenhaar war gestern noch nicht! Ich bin mir sicher! Mit einer Pinzette und unter umständlichen Verrenkungen zupfe ich genüßlich.

Es ist bereits neun als ich mich, noch immer nur mit dem T-Shirt von gestern bekleidet, in meinen Fernsehsessel fallen lasse. Nachrichten schauen ist immer wichtig. Mönsch Kay-Sölve Richter sieht an diesem Morgen aber wieder knackig aus … Nach “heute” mache ich einen Abstecher zum Aquarium. Volkszählung ist angesagt. Alles lebt, alles schwimmt und ist schon wieder hungrig. So patsche ich zum Kühlschrank, taue einen Würfel Cyclopia in einem halben Joghurtbecher Wasser auf und füttere die hungerigen Mäuler. Allmählich meldet sich nun auch mein Magen und ich beginne, mir den Frühstückstisch zu decken. Endlich entsorge ich nun auch das T-Shirt von gestern, kleide mich in der Kammer an, nebel mich im Bad mit Deo ein, mache das Bett, zerre die Jealousien nach oben, öffne die Fenster, starte die Waschmaschine, lege die Wäsche von gestern zusammen, gieße meinen Gummibaum und besprühe den Farn. Wenn man genügend Zeit hat, wird selbst das Kaffeekochen zu einer äußerst umständlichen und wichtigen Tätigkeit. Ich mahle die ganze Bohne von Hand auf feinster Stufe. Knapp zwanzig Minuten brauche ich dafür. Zwanzig Minuten, in denen es nichts anderes, wichtigeres zu tun gibt, als meinen handgemahlenen Kaffee!

Es ist schon um zehn, als ich mich wieder im Sessel niederlasse, frühstücksbereit, während mir Kay-Sölve erneut das neueste aus aller Welt erzählt. Noch vor dem ersten Bissen lese ich nun im Videotext noch Regional-Nachrichten, Horoskop und Kalenderblatt. Als schließlich der Kaffee kalt genug und trinkbar ist, beginne ich endlich zu speisen.
Das zieht sich, denn man soll ja sein Essen nicht schlingen.

Zum ersten Male an diesem Tag mache ich in der Küche meinen Abwasch. Die Wäsche ist nun auch schon fertig und wird gleich aufgehängt. Verstohlen schaue ich zum Schreibtisch, über dem ein großer Zettel prangt: Meine Arbeitszeit 9.oo bis 16.oo Uhr! Doch davon lasse ich mich nicht einschüchtern. Das Wetter scheint ja wohl heute ganz schön zu sein. So schlendere ich auf den Balkon, spüre warme Sonnenstrahlen und zu kaltes Lüftchen. Brrr, ist das kalt! Eine Inventur im Kühlschrank ergibt, dass die Margarine heute sicher noch reicht, aber es schadet auch nichts, wenn ich schon Nachschub hole. Jogginghose wird gegen Jeans getauscht, Schlabber-T-Shirt gegen “ein ordentliches” und mein Kinn tunke ich auch in eine Hand voll Rasierwasser. Schon geht es los.

Am Zeitungskiosk das übliche Gespräch: “Hallo Meister, wie geht?” “Jut Chef! Und selber?” “Bestens!” “Wie imma?” “Klar doch.” Ich zahle und bekomme mit der Zeitung gleich noch eine Hand voll Werbung für Autoversicherungen, Kapitalanlagen und Möbelhäuser. Ich setze meine Runde fort. Beim Türken erstehe ich eine Hand Bananen, das Kilo für nur 50 Cent, die auch wie 50-Cent-Bananen aussehen, aber für meinen Entsafter genügen. Bei Plus kaufe ich Parmesan, bei Aldi meinen Bergkäse, bei Netto die Gummibärchen und bei Norma endlich auch die nötige Margarine und ein tiefgefrohrenes Fertiggericht für nur 1,39 €uro.

Mittlerweile ist es warm geworden. Liegt es daran, dass ich mich bewegt habe oder daran, dass es längst Mittagszeit ist? Ist es bereits Mittag? Scheint wohl so, denn vor der Würstchenbude auf der anderen Straßenseite stehen die Leute. So setze also auch ich mich im angrenzenden Park auf eine Bank, lese die Werbung und überfliege die Zeitung. Heidi Klum ist SCHON WIEDER schwanger! Bockt die mit ihrem Seal nur noch rum?
Ich werde aus meinen Gedanken gerissen, weil plötzlich irgendwer vor mir steht. “Hey Udo, was machst’n du hier?” “Spazieren gehen!”, bekomme ich zu hören. Udo hat wohl keine Zeit, sagt er, deshalb erzählt er mir ausgiebig, dass sein Kater seit gestern harte Knödel kackt, dass er neulich Tina getroffen hat und mich letzte Woche im Radio hörte und schon zischt er wieder davon.
Mein Magen grummelt und so mache ich mich endlich auf den Heimweg. Spannende Frage: War denn die Post schon da? Im vorbeigehen grüße ich den Döner im Vorderhaus, schlendere aber doch noch die Straße hoch zu Marie. Kleiner Small-Talk von zehn Minuten wegen der guten Nachbarschaft. Schließlich doch noch zurück. Im Erdgeschoss, beim Briefkasten öffnen, wieder nur Werbung und Rechnungen, begegnet mir ein grinsender, staubiger Bauarbeiter. “Na Chef, wieder fleißig?”, frage ich und bekomme ein “Na logo!” zurück.

In meiner Wohnung angelangt verstaue ich die Einkäufe bis auf das Fertiggericht. Da muss ich erst die Bedienungsanleitung lesen: “Entfernen sie den Deckel und legen sie die Schale für fünfunddreißig Minuten auf der mittleren Schiene ihres, auf 180° Celsius vorgeheizten Backofens.” Und wie immer in diesen Fällen ärgere ich mich! Was, zum Teufel, sind 180°C in meinem Backofen? So entzünde ich das Gas, schließe die Ofentür, drehe den Hahn auf Stufe vier bis fünf, starte dann im Wohnzimmer meinen Computer, lege bei meiner Rückkehr in die Küche die Menüschale in den Ofen und stelle auf der klingelnden Küchenuhr vierzig Minuten ein.

Nun, endlich geht es los! Der Computer ist hochgefahren und hat sich noch nicht einmal aufgehängt. Der scheint heute seinen guten Tag zu haben. Schnell logge ich mich im Internet auf meiner E-Mail-Seite ein. Na, immerhin, vier Mails bis heute, darunter eine dringende. Micha von der Zeitung! Als ich öffne, lese ich: “Hi Rolf, kannst du mal deinen Artikel nochmal kurz überfliegen? Wir mussten ihn leider etwas kürzen.” Ich öffne den Anhang, überfliege, ändere drei Worte und schicke zurück. Ausloggen, Blick auf die Eieruhr …. mh, noch zehn Minuten. Zu wenig, um noch etwas richtiges zu beginnen, zu viel, um nur Fische zu füttern. Deshalb starte ich eines der Spiele und bin für wenige Augenblicke “Commandante” auf einer Karibik-Insel. Ich errichte ein Wohnhaus sowie eine Ziegenfarm und eliminiere den Chef der örtlichen Opposition. Endlich klingelt die Küchenuhr! Mir klappern schon die Schläuche. Ich beende das Spiel und kümmere mich um mein Mittag. Mit Esswerkzeug und Teller bewaffnet versinke ich im Sessel vor dem Fernseher. Die “heute”-Moderatorin hat gewechselt. Anja Charlét unterrichtet mich über das Neueste aus aller Welt, während mein Essen auf verzehrbare Temperatur abkühlt. Kein Wunder, dass ich Hunger habe! Mittlerweile ist es nämlich schon nach 16 Uhr!

Endlich ist es geschafft! Das Mittagessen, die Hauptmahlzeit des Tages, ist vertilgt und … macht müde. Die Couch ist nicht weit. Während auf “Kabel 1” Raumschiff Enterprise in unentdeckte Galaxien startet, träume ich beim leise gestellten Fernsehton von romantischen Abenteuern mit Counselor Troi. Der Beginn der letzten, laut dröhnenden Werbepause, weckt mich. Wie schon einmal an diesem Tag, verbringe ich einige Minuten damit, mir eine Hand voll Kaffeebohnen zu mahlen.
Der Becher Kaffee ist genau in dem Moment fertig, als im RBB die 17-Uhr-Abendschau beginnt, meiner wichtigsten Informations-Sendung am Tage. Nach dem Wetterbericht zappe ich wieder zum ZDF und komme gerade noch rechtzeitig dazu, mir von Yvonne Rannsbach in “Hallo Deutschland” erklären zu lassen, warum Heidi Klum denn nun schon wieder schwanger ist.
So richtig mag ich mich zwar vom Fernseher nicht trennen, aber dies wäre jetzt eigentlich ein guter Zeitpunkt, mir aus den Billig-Bananen von heute und den preiswerten Äpfeln von gestern einen schönen Liter frisch gepressten Saftes zu machen. Und schon werkle ich für die nächste halbe Stunde wieder in der Küche. Ich schneide Bananen, entkerne Äpfel, schäle eine Zitrone, und schließlich, als der Saft endlich in einer Karaffe schimmert, mache ich meinen zweiten Abwasch am Tag.

Auf dem Bildschirm meines Computers flattern indes noch immer irgendwelche Fenster sinnlos vor sich hin. Ich kann das von der Küche aus sehen!
Endlich, endlich setze ich mich nun auch zum Arbeiten an den PC. Die ganzen Vorabendserien im Fernsehen sind eh nur Dreck. Ich suche mir die Text-Datei, an der ich zuletzt gearbeitet habe, lese und versinke sofort in dumpfes brüten:
“Sie war zu ihm gekommen und sagte …” … mh … Was sagte sie denn nun? Die kann doch nicht gleich was zu ihm gesagt haben. … mh … Ich ändere in: “Sie war zu ihm gekommen, zog ihre Jacke aus, legte sie übers Bett …” … übers Bett? Jetzt schon?
Ich verliere die Lust, gehe aus dem Programm und quäle noch ein paar Siedler, bevor mir auch dies zu langweilig wird. Kurz nach 20 Uhr komme ich auf die glorreiche Idee, mich ans Telefon zu schwingen, um schnell mal Tina anzurufen. Tina hat Arbeit, also noch einen Job und so kann sie mir ausführlich erzählen, was ihr Chef heute gesagt und getan und was der Azubi alles nicht getan hat.

Der Abend zieht sich und es ist bereits halb zehn, mittlerweile habe ich als Commandante weitere Oppositionelle gekillt, als ich mir den Abendbrot-Tisch decke. Dieser steierische Bergkäse ist aber auch immer und immer wieder lecker, stelle ich fest.
Was folgt ist die letzte Runde für mich. Fische füttern, PC runterfahren, in der Küche einen Becher mit Müsli füllen, mir den an die Couch stellen, alles Licht aus, alle Türen zu und nun nur noch der Fernseher, mein Müsli und ich. Im halbschlaf bekomme ich auf der Couch liegend per ARD-Nachtmagazin und Anja Bröker mit, dass Heidi Klum wieder mal schwanger ist. Bevor ich ganz wegdrusel, ziehe ich mich aus und wechsle ich nur noch das schnell das Schlafmöbel. Während mich der Schlaf einlullt frage ich mich auch heute wieder, so wie fast jede Nacht seit Jahren: Junge, was hast du heute eigentlich den ganzen Tag lang gemacht?

Führungen am 28. + 29. September

In Kiezspaziergänge on September 30, 2013 at 8:19 am

… mit einem Urberliner unterwegs …

  • Samstag ab 14 Uhr vor der „Meldestelle“ Schönhauser / Pappelallee – entlang von Pappelallee, Helmholtzplatz und Stargarder Straße (also durchs „LSD-Viertel“) bis zum U-Bf. Schönhauser Allee
  • Weltkulturerbe Taut-Viertel am  Sonntag – Treffpunkt 10 Uhr gegenüber vom S-Bf. Greifswalder Str. in der Supermarktauffahrt – einmal quer über das ehemalige Gaswerksgelände bis zur Ecke Greifswalder / Danziger Str.
  • Kollwitzkiez am Sonntag – Treffpunkt  14.00 Knaackstr / Danziger Str – es geht in den Kollwitzkiez hinein – geendet wird am U-Bf. Senefelder Platz

Kosten: Spende in den Hut!

alle Touren ohne Anmeldung!

OKbeat – die Kultsendung … und weitere Hörfunksendungen in dieser Woche

In Radiosendungen on September 30, 2013 at 8:16 am

OKbeat FM – Dienstag 20 – 22 Uhr auf http://www.blood-moon-music.de/news.php

OKbeat – die Kultsendung – Donnerstag um 13 Uhr auf alex-radio http://www.alex-berlin.de und auf 88vier http://www.88vier.de – diese Woche etwas blechern, denn Ihr hört die „Einheitzkonserve“ – wegen des Feiertags automatisierter Programmablauf bei alex, darum musste ich ’ne Konserve bastelnm, in der u.a. auch zwei Beitrage von Andreas Kebschull für den OKbeat mit eingebaut sind.

„Pommes rot – weiß“ am Sonntag erst von 20 – 22 Uhr auf http://www.rockradio.de

Karrieren

In Texte on September 27, 2013 at 9:34 am

von Kurt Tucholsky

 

Et jibt Karrieren – die jehn durch den Hintern.

Die Leute kriechen bei die Vorgesetzten rin.

Da is et wam. Da kenn se ibawintern.

Da bleihm se dann ne Weile drin.

Ich, denken die – kein Neid! Wer hat, der hat.

Denn komm se raus. Denn sind se plötzlich wat.

Denn sind se plötzlich feine Herren jeworden!

Denn kenn die de Kollejen jahnich mehr.

Vor Eifa woll se jeden jleich amorden:

Ich bün Ihr Vorjesetzta! Bütte sehr!“

und jeda wees doch, wie set ham jemacht!

Det wird so schnell vajessen …. Keena lacht.

Int Jenenteil.

Der sitz noch nich drei Stunden

In seine neue Stellung drin -:

Da hat sich schon n junger Mann jefunden,

der kriechtn wieda hinten rin!

Und wenn die janze Hose kracht:

weil mancha so Kariere macht.

Er hat det Ding jeschohm.

Nu sitzt a ehmt ohm.

Von oben frisch und munter

Kuckt keena jerne runter.

Weil man so rasch vajißt,

wie man ruff

wie man ruff,

wie man ruffjekommen ist – !

Führungen am 28. + 29. September

In Kiezspaziergänge on September 23, 2013 at 6:30 pm

… mit einem Urberliner unterwegs …

  • Samstag ab 14 Uhr vor der „Meldestelle“ Schönhauser / Pappelallee – über Kastanienallee und Oderberger Str. bis Nordbahnhof
  • Weltkulturerbe Taut-Viertel am  Sonntag – Treffpunkt 10 Uhr gegenüber vom S-Bf. Greifswalder Str. in der Supermarktauffahrt – einmal quer über das ehemalige Gaswerksgelände bis zur Ecke Greifswalder / Danziger Str.
  • Kollwitzkiez am Sonntag – Treffpunkt  14.00 Knaackstr / Danziger Str – es geht in den Kollwitzkiez hinein – geendet wird am U-Bf. Senefelder Platz

Kosten: Spende in den Hut!

alle Touren ohne Anmeldung!

OKbeat – die Kultsendung … und weitere Hörfunksendungen in dieser Woche

In Radiosendungen on September 23, 2013 at 6:28 pm

OKbeat FM – Dienstag 20 – 22 Uhr auf http://www.blood-moon-music.de/news.php

OKbeat – die Kultsendung – Donnerstag um 13 Uhr auf alex-radio http://www.alex-berlin.de und auf 88vier http://www.88vier.de – Gast: am Tekefon eine Initiative für bundesweite Volksabstimmungen, im Studio ist die Künstlerin Kerstin Gundt – Achtung! Neue  Co-Moderatorin im OKbeat ab 10. Oktober: Juliane Beer

„Pommes rot – weiß“ am Sonntag 18 – 20 Uhr auf http://www.rockradio.de

 

 

Klamottenkauf

In Texte on September 20, 2013 at 10:14 am

Rolf Gänsrich 3./4./7.12.08

Wir Männer sind, wenn es um den Einkauf von Klamotten geht, oft sehr einfach … gestrickt …. muss man in diesem Falle wohl wirklich sagen.

Ich für meinen Teil hasse es und gehe mir so ein Teil immer erst dann kaufen, wenn nichts anderes mehr geht, will sagen, wenn das, was ich da so trage, buchstäblich aus den Nähten fällt.

Ich weiß beim besten Willen nicht, wie Frauen es schaffen, stundenlang zu shoppen, ohne zu kaufen. Wenn ich in so einen ominösen Klamotten-Laden gehe, flüchte ich dort meist nach spätestens zehn Minuten … mit vollständig bezahltem Einkauf.

Dabei gehe ich gezielt vor! Alles, wo nicht XXL drauf steht, geht mich nichts an. XXL passt, das weiß ich! Aber schon bei 3-XXL beginne ich zu zweifeln! Meinen die jetzt, da sind drei Unterhemden drin? Oder sind die einfach nur dreimal so lang?

Bei reellen Zahlenangaben passe ich!

Größe achtundfümmzich …. Mh! Ist damit jetzt der Radius des Bauches, die Weite der Löcher, aus denen der Körper hinaus lukt, Rauminhalt, Volumen, die Distanz bis zur nächsten Kneipe oder die Linksdrehung des EmZett-Joghurts bei Kaiser’s gemeint? Mit solchen Zahlen bin ich wirklich überfordert!

Gut, also ich weiß, dass meine Kopfgröße … ganz wichtig für Stahlhelme und Armee-Mützen, bei 59 liegt … war halt schon immer ein „großer Denker“.

Ich weiß auch, dass ich bei Schuhen, ich trage die Größe 47, nicht mehr danach gehen kann, was mir, auch preislich, gefällt, ich kann bei dieser Schuhgröße einfach nur noch nach „Passt“ oder „Passt nicht“ gehen … und das eine Paar, was dann passt, das kaufe ich, aber bei richtigen Klamotten passe ich wie beim normalen Skat-Spiel, es sei denn, ich kann da ein Null oder Nullouvert spielen.

Regenschirme geht auch noch. Oder ein Schal! Ein Schal passt komischer Weise immer irgendwie, … so wie auch eine Kravatte, aber bei Unterhosen wird es dann zum Teil wortwörtlich knifflig!

Früher hat mir Muttern immer Zeugs gekauft oder meine Geliebte. Muttern ist nun tot, so brauche ich mich also nicht in Größe L zu zwängen und dann japsen: „Pff … Passt!

Meine gut Tina hingegen konnte sich immer ausschütten vor lachen, wenn sie meine Hosenzelte von der Wäscheleine nahm. Seitdem kaufte ich auch Hosen allein.

Wenn garnichts geht, gehe ich halt auf dem Wochenmarkt seit Jahren zur immer gleichen Vietnamesin. Die kennt meinen Eisbein gestählten Körper besser, als ich! Wobei ich auch immer bei der bei der Frage: „Plobielen?“ ausweiche mit: „Ach na, wird schon so gehen!“ und dann zu hause bei der Anprobe dann vor mich hinbrubble: „Verfluchter Esel!“ und dann still für mich hoffe, dass ich in das Teil, das ich da gerade gekauft habe, vielleicht doch noch irgend wann einmal hinein wachse.

Ich habe an Umkleidekabinen beim Klamottenkauf so ganz schreckliche Erinnerungen aus meiner Kindheit. Muttern schickte einen in so einem Laden da hinein. Vorher verrieb sie, immer mit einem, mit ihrer Spucke triefend getränktem Taschentuch, den Schmutz aus meinem Gesicht und von meinen Händen. …. Bäh …. Mutter-Spucke im Gesicht … buhä! … damit ich sauber in die ungetragenen Klamotten käme.

Und dann diese Peinlichkeiten in der Kabine. Natürlich fiel das neue Teil vom Bügel, dann klemmte der Reißverschluss der alten Hose. Man selbst nur getrennt durch einen Vorhang vor dem Trubel im Laden, wobei man das Gefühl hat, dass „die da draußen“ Röntgenaugen haben und sehen, wie dämlich man sich in diese neuen Sachen hinein zwängt.

Zwischendurch dann immer wieder Mutterns Kopf, der durch einen Spalt des trennenden Vorhangs hinein lugte. War man dann endlich in dem neuen Teil drin, musste man raus aus der Kabine.

Geh mal ein Stück.“, war die unvermeidliche Aufforderung. „Und dreh dich auch mal!“ Schaulaufen vor fremden Leuten, Grausam, wenn man kein Manneqin ist. Und schon hatte Muttern mit den Worten: „Probier das mal.“ das nächste Ding in der Hand. Der ganze Stress von vorn! Raus aus dem soeben getragenen, möglichst nichts fallen lassen, selber nicht umkippen dabei, sich im Spiegel der Umkleidekabine betrachten und denken: „Was findet Muttern bloß an diesem hässlichen Teil. Das zieh ich eh nur ungern an. Das hat viel zu wenig Taschen!“

Seit dieser Zeit sind Umkleidekabinen und ich keine großen Freunde!

Trotzdem man sich den Einkauf und die Umkleidekabine dabei sparte, fand ich die von Muttern selbst gestrickten Sachen noch schlimmer. Wochen lang wurde man beim Fernsehen gestört oder musste man die große Schlacht der Plastik-Indianer oder den Häuserbau mit Lego-Steinen unterbrechen, wenn Muttern so ein Teil in der Mache hatte: „Zeig mal deinen Arm!“

Und dann die Antwort auf die Frage: „Mama, was wird das wieder?“ „Siebenundvierzig, achtundvierzig …. zeig mal nochmal deinen Arm!“

Wolle mag zwar warm halten, aber sie piekt!

Muttern glaubte mir das Jahrelang nicht. „Nun hab dich nicht so. Ist doch ganz weiche Wolle, so von einem ganz lieben Schaf. Das kann überhaupt nicht pieken!“

Erst, als ich schon relativ groß war und die für mich verbrauchte Wolle preislich fast den Neukauf eines Teils aufwog und infolgedessen auch Vatern bestrickt wurde, kam allmählich meine Erlösung, weil Wolle auch bei Vatern piekte.

Die angebotene Alternative: „Na, dann ziehste ebend noch was Langes drunter!“ nutzte ich freiwillig auch im Hochsommer.

Muttern liebte es auch, meinen gut vier Jahre jüngeren Bruder und mich in dieselben Klamotten zu zwängen. „Ach, das sieht so süß aus! Wie eine Familie!“ „Ja, Mama, aber ich bin ein eigenständiges Individuum und anders gestrickt, als meine Keule. Ich beharre auf meinem Individualismus und meine persönliche Eigenständigkeit!“, hätte ich ihr damals zurufen sollen. Ich hasste es, so auszusehen, wie mein blöder Bruder!

Aber diese Gleichmacherei kam bei uns zum Glück nur höchst selten vor, da mein Bruder aus finanziellen Gründen damals immer dazu verdammt war, meine abgelegten Klamotten aufzutragen.

Ja, ja, das Zeugs, das Muttern einem früher verpasste, war immer bunt, unpraktisch und piekte. Gleichwohl sparte man heutzutage Geld, wenn man zu Ostern, Weihnachten, zum Geburtstag und als Nikolausüberraschung regelmäßig Socken bekäme.

Klamotten müssen bei mir eher praktisch sein und müssen nicht aussehen. Je mehr Taschen eine Hose hat, um so besser. Hemden trage ich, weil Pullover meist keine Brusttasche für Stifte haben. Eine Jacke für draußen muss viele Taschen, für Stifte, Handy, Schlüssel, haben, mich im Winter warm und im Sommerregen trocken halten und seit meiner Armee-Zeit weiß ich, dass lange Unterhosen zwar ein Lacher für die Freundin, die schon im Bett liegt, sind, sie aber wunderbar warm halten.

Neulich entdeckte ich Stiefel im Sonderangebot, mit einer Größenangabe, die mir überhaupt nichts sagte. Sie waren mit irgendwelchen, Zähne schädigenden Utensilien gefüllt: „Zum 6.12. – Nikolaustag!“

Also, ob mir diese Stiefel gepasst hätten?

 

 

 

Führungen am 21. + 22.September

In Kiezspaziergänge on September 16, 2013 at 6:14 pm

… mit einem Urberliner unterwegs …

  • Samstag  Treffpunkt 14 Uhr vor der „Galerie 100“ – Konrad-Wolf-Str. 100 – kleine Hohenschönhausentour
  • Weltkulturerbe Taut-Viertel am  Sonntag – Treffpunkt 10 Uhr gegenüber vom S-Bf. Greifswalder Str. in der Supermarktauffahrt – einmal quer über das ehemalige Gaswerksgelände bis zur Ecke Greifswalder / Danziger Str.
  • Kollwitzkiez am Sonntag – Treffpunkt  14.00 Knaackstr / Danziger Str – es geht in den Kollwitzkiez hinein – geendet wird am U-Bf. Senefelder Platz

Kosten: Spende in den Hut!

alle Touren ohne Anmeldung!

OKbeat – die Kultsendung … und weitere Hörfunksendungen in dieser Woche

In Radiosendungen on September 16, 2013 at 6:12 pm

OKbeat FM – Dienstag von 20 – 22 Uhr auf http://www.blood-moon-music.de/news.php

„Schlag 8“ – Mittwoch von 20.30 – 21.30 Uhr auf Pi-Radio http://www.piradio.de und auf 88vier – Gast: Die Lautmaler + die Initiative für bundesweite Volksabstimmungen

OKbeat – die Kultsendung – Donnerstag um 13 Uhr auf alex-radio http://www.alex-berlin.de und auf 88vier http://www.88vier.de – Gast: „Die Partei“ und die Initiative für bundesweite Volksabstimmungen – Co-Moderation der Sendung: Gustav Wöhrmann

Achtung! Neue  Co-Moderatorin im OKbeat ab Oktober: Juliane Beer

 

Berlin, Berlin

In Texte on September 14, 2013 at 10:25 am

Gedicht für eine ganz besondere Lady,

gerade fertig geworden:

 

Berlin, Berlin

Rolf Gänsrich 12./13./14.9.2013

 

Glaspaläste

Mauerreste,

kleine Wichser

dröge Fixer

Berlin

 

Kollwitzplatz

laut Rabatz

Kinderwagen

kaum ertragen

Berlin

 

Hütchenspieler

Drogendealer

Spaß-Touristen

Salafisten

Berlin

 

SPD

FDP

CDU

blinde Kuh

Berlin

 

Feine Frau’n

großer Traum

Arbeitslos

Schicksal bloß

Berlin

 

Demonstranten

Paten-Tanten

S-Bahn-Schienen

flotte Bienen

Berlin

 

Eierleute

heiße Bräute

schwule Schwänze

Rosenkränze

Berlin

 

Laute Spatzen

alte Katzen

Hundekot

Schornsteinschlot

Berlin

 

 

Hinterhof

Lesbenschwof

laute Flügel

stille Prügel

Berlin

 

Straßenbaum

Lattenzaun

Kopfsteinpflaster

alte Laster

Berlin

 

U-Bahnwagen

Koffer tragen

Minijob

ex und hopp

Berlin

 

Tierparkflair

elitär

Reihenhaus

graue Maus

Berlin

 

flinke Ratten

Fressen hatten

Reichstagsufer

leiser Rufer

Berlin

 

Straßenraub

grünes Laub

Schulhoflärm

Katzegedärm

Berlin

 

Wahlplakate

von Renate

Großbaustelle

Straßendelle

Berlin

 

Schön‘ Balkone

oben ohne

Kneipenecle

grüne Hecke

 

Berlin, Berlin,

nur noch Berlin!